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"Er führte mich hinaus ins Weite" - Gedanken zur Besieglung der Strukturreform von Dekan Babelotzky

"Alea iacta est" -
"Der Würfel ist gefallen". Der Bischof hat entschieden, was nun? 

Wenn etwas entschieden ist, ist die Zeit des Ringens und Kämpfens vorbei. Es gilt, nach vorne zu schauen, sich dem Leben zuzuwenden und zu fragen, was nun das Gebot der Stunde ist. Mit einem Bild aus Ps 18,20 möchte ich sagen: Entscheidungen führen zwar zunächst in die Enge, aber danach in die Weite: "Er hat mich hinausgeführt ins Weite". Da ist etwas dran: Unsere Räume haben sich geweitet. Aus kleineren Pfarreien sollen nun große werden. Kann das nicht auch eine Chance sein? Wie können wir uns das Leben in der neuen Pfarrei vorstellen? Sicher kann es nicht so sein, dass alles beim Alten bleibt. Manchmal spüre ich aus den Reaktionen der Bistumsleitung die Sorge, die alten Pfarreien könnten sich als Gemeinden in den neuen Pfarreien dem gemeinsamen Weg in die Zukunft verweigern und seien nur auf die Erhaltung ihres Profils und Eigenlebens bedacht. Gerade bei unserem Bemühen um den substantiellen Erhalt der Pfarrbüros, für den sich auch der Dekanatsrat ausgesprochen hat, habe ich diese Sorge verspürt und die Ansicht, es sei doch besser, die alten Strukturen loszulassei und sich ganz neu zu ordnen. Da ist schon etwas dran. Andererseits hat Bischof Dr. Wiesemann in seinem Hirtenbrief selbst dafür plädiert, dass lebendige Gemeinden auch in der neuen Pfarrei weiterhin bestehen bleiben können und sollen. Und das empfinden sehr viele auch so. Wo ist da die Lösung? Ich sehe die Lösung darin, dass es eine organische Entwicklung geben muss. Ausgangspunkt sind die Gemeinden, die sich zusammenschließen. Sie sind dann, wie es Prodekan Trutzel im Blick auf St. Dreifaltigkeit und die Pfarreiengemeinschaft Friesenheim einmal ausgedrückt hat, wie eine Ellipse mit zwei (oder mehreren) Brennpunkten. Dieses Bild gefällt mir ganz gut. Auf der Basis dieses Ausgangspunktes wird es auch Schnittmengen geben. In Arbeitskreisen und Gruppierungen werden sich Leute aus den früheren Pfarreien zu neuen Gemeinschaften zusammenfügen, die die alten dann möglicherweise im Hegel'schen Sinn mehr und mehr aufheben. Sie gehen also nicht verloren, sondern sind aufgehoben auf einer neuen Ebene. Ohne Gemeinschaft aber wird es nicht gehen. Das betont auch die Bistumsleitung. Die brasilianische Bischofskonferenz hat sich gerade dafür ausgesprochen, dass die dortigen Großpfarreien überschaubare Gemeinschaften bilden sollen, in denen sich die Menschen noch kennen können; denn sie wissen genau: anders können sie nicht bestehen gegen die vielen freikirchlichen Gemeinschaften, die gerade deswegen so viel Zulauf haben, weil sich die Menschen dort als Gemeinschaft erfahren können.

 

Pfarreienstruktur in Kraft

Nach eineinhalbjähriger Diskussionsphase hat Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann die neue Pfarreienstruktur des Bistums Speyer in Kraft gesetzt. 
Mit seinem Konzept "Gemeindepastoral 2015" strebt das Bistum eine strukturelle und inhaltliche Neuordnung der pfarrlichen Seelsorge an, die ab 2015 Gültigkeit haben wird. Dann werden aus bislang 346 Pfarreien in 123 Pfarreiengemeinschaften 70 neue, größere Pfarreien entstehen. "Es war kein einfacher Weg", so der Bischof. Denn auch wenn die bisherigen Pfarreien als Gemeinden erhalten blieben, müssten sie doch Gewohntes aufgeben, von Liebgewordenem loslassen und sich auf neues, noch unsicheres Terrain einlassen. Mit der Inkraftsetzung der Neuordnung ist nun die Zuordnung der bisherigen
Pfarreien und Filialgemeinden endgültig festgelegt. Außerdem sind die festen Gottesdienstorte ‑ wo jeden Sonntag zur selben Zeit eine Messe gefeiert wird ‑ sowie die Amtssitze der Pfarrer verbindlich benannt. Im Gegensatz zu den Pfarreigrenzen stehen die Namen der neu umschriebenen Seelsorgeräume noch nicht fest. Noch vor den Sommerferien soll ein Namensgebungsverfahren entwickelt werden.

 

In dieser Richtung bildet der Pfälzer Pfarrer Pirmin Spiegel dort gerade Laienmissionare aus, die sich in erstaunlich großer Zahl für diesen Dienst zur Verfügung stellen. Er sprüht geradezu vor Begeisterung, weil er spürt, dass seine Berufung hier ihre Erfüllung findet. Auch das wird eine ganz wesentliche Aufgabe des Leitenden Pfarrers in der neuen Pfarrei sein, Gläubige, die sich dazu motivieren lassen, für die Verkündigung des Glaubens und die Betreuung von Gemeinden intensiv zu schulen und zu befähigen. Im übrigen gilt es jetzt, ohne Panik den Weg in die Zukunft unter die Füße zu nehmen.  Auf absehbare Zeit braucht ja keine Gemeinde Angst zu haben, sie müsste am Wochenende auf den Gottesdienst verzichten. Die Zahl der Priester, die den Pfarreien zur Verfügung stehen, ändert sich ja nicht sofort aufgrund der neuen Struktur. Ich empfinde es auch als Chance, dass die im Herbst neu gewählten Räte dann noch vier Jahre Zeit haben, der neuen Pfarrei schrittweise Profil und Gesicht zu geben. Voraussetzung dafür ist natürlich die Bereitschaft vieler Gläubigen, sich dieser Aufgabe und Verantwortung zu stellen. So möchte ich mit dem Text eines Liedes an uns alle appellieren, den Blick nach vorne zu richten und den Weg unter die Füße zu nehmen nach dem Wort eines Liedes: "Geh, geh, geh den Weg, den der Herr Dir zeigen wird. Sei frohen Mutes und fürchte Dich nicht; denn der Herr Dein Gott ist mit Dir!" 

 
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